Gastbeitrag


Gütezeichen nachhaltiger Geldanlagen

Qualität statt Quantität

Die Frage nach einem guten Nachhaltigkeitsfonds ist heutzutage ohne Orientierungshilfen kaum noch zu beantworten. Es herrscht eine Vielfältigkeit, um nicht zu sagen, ein Wildwuchs an Anlagestrategien. Und durch die ab 2022 beginnende Nachhaltigkeits-Beratungsverpflichtung im Rahmen von MiFID-II möchte kaum ein Asset Manager ohne eigenes Angebot in diesem stark wachsenden Marktsegment sein. Der Markt wird geradezu mit neuen SRI-Produkten geflutet.

Abgesehen davon, dass schon sehr bald die Regulatorik im Rahmen der EU-Bemühungen zu Sustainable Finance vorschreibt, welche Charakteristiken Finanzprodukte erfüllen müssen, um sich als nachhaltig zu vermarkten, sorgt das FNG-Siegel als Qualitätsstandard Nachhaltiger Geldanlagen für Orientierung und liefert eine Vorauswahl an vernünftigen, soliden und extern geprüften Nachhaltigkeitsfonds. Auf der diesjährigen virtuellen Vergabefeier wurden 168 Fonds mit dem unabhängigen Gütesiegel ausgezeichnet. Beworben hatten sich 177 Fonds, was einer Steigerung von 70 % zum Vorjahr entspricht. Damit hat sich das Wachstumstempo nach 25 %, 40 % und 60% in den letzten drei Jahren nochmals beschleunigt. Die Zahl der sich bewerbenden Fondshäuser stieg von 47 auf 73. Größe ist aber nicht alles und die schiere Zahl zertifizierter Produkte nicht automatisch ein Gradmesser für Seriosität. Das anspruchsvolle FNG-Siegel ist ein mittlerweile etablierter Sparring-Partner, verlangt einen intensiven Austausch mit den Bewerbern und erlaubt Differenzierung, die nicht allen Produktanbietern gefällt, die aber akzeptiert wird. Ganz im Sinne von Qualität vor Quantität!

Ganzheitliches und strenges Prüfverfahren / Pflicht und Kür Die ganzheitliche Methodik des FNG-Siegels basiert auf einem Mindeststandard („Pflicht“). Dazu zählen Transparenzkriterien und die Berücksichtigung von Arbeits- & Menschenrechten, Umweltschutz und Korruptionsbekämpfung wie sie im weltweit anerkannten UN Global Compact zusammengefasst sind. Auch müssen alle Unternehmen des jeweiligen Fonds explizit auf Nachhaltigkeits-Kriterien hin analysiert werden und das Produkt eine explizite Nachhaltigkeits-Strategie vorweisen. Tabu sind Investitionen in Atomkraft, Kohlebergbau, bedeutsame Kohleverstromung, Fracking, Ölsande sowie Waffen und Rüstung. Hochwertige Nachhaltigkeits-Fonds, die sich in den Bereichen „institutionelle Glaubwürdigkeit“, „Produktstandards“ und „Impact“ (Titelauswahl, Engagement und KPIs) besonders hervorheben, erhalten bis zu drei Sterne („Kür“). Mit über 80 Fragen wird z. B. der Nachhaltigkeits-Anlagestil, der damit einhergehende Investment-prozess, die dazugehörigen ESG-Research-Kapazitäten und ein evtl. begleitender Engagement-Prozess analysiert und bewertet. Darüber hinaus spielen Elemente wie Reporting, Kontroversenmonitoring, ein externer Nachhaltigkeitsbeirat und die Fondsgesellschaft als solche eine wichtige Rolle. Je vielschichtiger und intensiver ein Fonds auf den verschiedenen Ebenen aktiv, umso höher ist seine Nachhaltigkeits-Qualität und das Potential, letztendlich indirekten und direkten Impact zu erzielen. Auditor des FNG-Siegels ist die Universität Hamburg. Den Prüfprozess begleitet außerdem ein unabhängiges Komitee mit Experten der österreichischen ÖGUT, der Universität Augsburg, des GIIN (Global Impact Investing Network) und des WWF Deutschland.

Stetige Weiterentwicklung des Siegelkonzepts Nachhaltigkeit ist kein starrer Status Quo, sondern eine Entwicklung, auf deren Weg sich nun die gesamte Wirtschaft macht, Transformation stattfindet und der Kapitalmarkt als „grüner Treibstoff“ des Ganzen mit Investments und Finanzierungen dafür sorgt, dass die nötigen Gelder auch dorthin gelenkt werden, wo Veränderung geschieht. Durch das differenzierende Stufenmodell im FNG-Siegel wird der Wettbewerb um sog. Best-Practice gestärkt, der zur stetigen Weiterentwicklung des Konzepts beiträgt. Wegweisend wird die sog. Impact-Messung sein, denn letztendlich geht es um die Nachweisbarkeit, welche Veränderungen im Sinne einer nachhaltig(er)en Entwicklung ein Anleger denn mit seinen Geldern bewirkt. Hier haben wir in der zurückliegenden Auditperiode einen ersten Testlauf mit einem Service-Provider durchgeführt und arbeiten mit den Universitäten Hamburg und Kassel an einer Anpassung für die Zwecke des Gütezeichens, um dies perspektivisch in die Methodik unseres SRI-Qualitätsstandards integrieren zu können. Auch werden die Artikel 8 und 9 der Offenlegungs-verordnung bzw. die Anforderungen im Rahmen des Zielmarktkonzepts als Grundvoraussetzung einer Bewerbung ums FNG-Siegel gelten. Was die von allen erwartete Bekanntmachung der zu diesen Artikeln nötigen konkreten Anforderungen angeht, so werden voraussichtlich Anfang Februar zwei Handvoll verpflichtende „Principal Adverse Impact Indicators“ und weiter knapp zwei Dutzend freiwillige technische Regulierungsstandards veröffentlicht werden. Detaillierte Informationen zum FNG-Siegel sowie eine Übersicht der ausgezeichneten Fonds finden Sie unter www.fng-siegel.org.

Über den Autor: Roland Kölsch (Jahrgang 1974, Diplom-Betriebswirt FH) ist seit Januar 2017 Geschäftsführer der Qualitätssicherungsgesellschaft Nachhaltiger Geldanlagen (QNG), die u.a. das FNG-Siegel verantwortet. Sie trägt durch die Zertifizierung von Finanzprodukten, durch Gutachten sowie die Entwicklung von Standards und Dienstleistungen zur Qualitätssicherung nachhaltiger Investments bei. Zuvor war Kölsch selbst als konventioneller und SRI-Portfoliomanager tätig (u.a. bei Deutsche Asset Management und Dexia Asset Management), hielt Vorlesungen über das Thema und leitete das Asset Management einer Schweizer Nachhaltigkeitsbank.

Roland Kölsch

Geschäftsführer

Qualitätssicherungsgesellschaft Nachhaltiger Geldanlagen (QNG)

Motzstr. 3 10777 Berlin

Telefon: +49 178 56 35 724 E-Mail: roland.koelsch@qng-online.de Internet: www.qng-online.de