Fachbeitrag


Private Equity und Private Debt

Luxemburg – der Fondsstandort Nr. 1

in Europa weiterhin im Aufwind

Luxemburg ist der präferierte Fondsstandort in Europa und nach den USA der zweitgrößte weltweit. Die dort domizilierten Fonds im liquiden und illiquiden Bereich verwalten insgesamt ein Vermögen von rund 5,5 Billionen Euro und werden in mehr als 70 Ländern vertrieben. Das Großherzogtum steht für politische bzw. rechtliche Stabilität und wird zudem als einer der wenigen Staaten mit der Bestnote AAA bewertet. Luxemburg genießt eine hohe Reputation und ist seit jeher als Kompetenzzentrum im Fondsgeschäft anerkannt. Dies liegt auch an der geballten Expertise, die sich auf engstem Raum zusammengefunden hat. Alle wesentlichen Player in der Fondswelt wie beispielsweise AIFMs, Zentralverwalter, Verwahrstellen, Rechtsberater und Consultants befinden sich in lokaler Nähe vor Ort und können aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung individuelle Fondslösungen nach den konkreten Vorstellungen der Initiatoren aufsetzen. Ein hohes Maß an Flexibilität und die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten der Produktlandschaft ermöglichen passgenaue Fondsstrukturierungen. Darüber hinaus gibt es weitere wichtige Standortvorteile, die Luxemburg für Investoren und Initiatoren attraktiv machen. Internationaler Vertrieb Wenn der Vertrieb auf internationale Anleger ausgerichtet werden soll, sind Luxemburger Fondsstrukturen weiterhin die erste Wahl. Dies liegt auch daran, dass Investoren aus diversen Ländern mit den hiesigen Rechnungslegungsvorschriften vertraut sind. Sie schätzen die geradlinigen und transparenten Regelungen und kennen sich mit dem Standort und seinen Spezifika bereits gut aus. Zudem verfügt das Land zur Freude der internationalen Investoren über mehrsprachige Fondsexperten, die oftmals neben Englisch auch Deutsch und Französisch sprechen. Vorteilhafte Fondsplattformen für institutionelle Investoren Viele institutionelle Großanleger wie beispielsweise Versicherungen hat es in den vergangenen Jahren nach Luxemburg gezogen. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass sie dort ihre Plattformen für Sachwerteinvestments in den Eigenanlagen optimal strukturieren konnten. Besonders beliebt ist hierbei die Umbrella-Struktur, an die verschiedene Teilfonds (Compartments) mit der Möglichkeit der Diversifizierung über unterschiedliche Anlageklassen (Real Estate, Private Equity, Private Debt etc.) hinweg angedockt werden können. Das Onboarding von neuen Teilfonds gestaltet sich effizient und die Livephase kann hierdurch zügiger beginnen. Umbrella-Fonds sind auch deshalb interessant, weil sich die Performance der einzelnen Teilfonds mit den jeweils unterschiedlichen Anlagestrategien direkt miteinander vergleichen lässt. Einige Anbieter auf dem Markt, darunter Hauck & Aufhäuser, bieten vollumfängliche Plattformen für Umbrella-Fonds an und können diese passgenau auf die Bedürfnisse der jeweiligen institutionellen Investoren ausrichten.

Vielfältige Strukturierungsmöglichkeiten In der Vergangenheit waren für die Fondsinitiatoren im Wesentlichen die Gesetze vom Februar 2007 über die Spezialfonds (SIF-Gesetz) und vom Juni 2004 über Wagniskapitalgesellschaften (SICAR-Gesetz) maßgeblich. Nach der zügigen Umsetzung der AIFM-Richtlinie in luxemburgisches Recht wurden weitere Strukturierungsoptionen geschaffen. In diesem Zusammenhang ist unter anderem die Spezialkommanditgesellschaft (SCSp) erwähnenswert, die sich vom Grundgedanken her an der britischen Limited Partnership orientiert. Der essenzielle Unterschied zwischen dieser Gesellschaftsform und der bestehenden „einfachen“ Kommanditgesellschaft liegt im Fehlen einer eigenen Rechtspersönlichkeit. Trotz fehlender Rechtspersönlichkeit ist aber dennoch eine direkte Teilnahme am Rechtsverkehr möglich. Im Zuge der Modernisierung des Aufsichtsrechts im Jahr 2016 wurde eine weitere entscheidende Neuerung in Form von RAIFs (Reserved Alternative Investment Funds) eingeführt. Dieses Vehikel eignet sich grundsätzlich für alle Assetklassen und ist sehr flexibel gestaltbar. Aufgrund der Schnelligkeit und Flexibilität im Auflageprozess wurden bereits 2017 dreimal mehr RAIFs aufgelegt als Spezialfonds. Dieser Trend hat sich in den darauffolgenden Jahren noch verstärkt. Der RAIF verbindet die steuerlichen und rechtlichen Vorteile der regulierten und unregulierten Welt und verkürzt den Zeitraum bis zur Fondsauflage (Time to Market) erheblich. Dabei wird auch die Möglichkeit eines europäischen Passes, mit dem ein rascher Vertriebsbeginn in allen EU-Ländern stattfinden kann, gerne in Anspruch genommen.

Kommanditgesellschaften flexibel gestaltbar Die luxemburgische Kommanditgesellschaft bringt einige Wettbewerbsvorteile mit sich. So kann ein Fonds entweder als reguliertes Vehikel in Form einer SICAR oder eines SIF-Fonds, aber auch unreguliert gemäß gesellschaftsrechtlichen Vorgaben oder in Form eines RAIFs gestaltet werden. Eine (unregulierte) Kommanditgesellschaft ist weitgehend frei in der Erstellung des Gesellschaftsvertrages und kann sich daher gezielt und passgenau nach den Anforderungen der jeweiligen Investoren richten. Die gewählte Rechtsform einer Personengesellschaft (SCS, SCSp) gilt als steuerlich transparent.

Reguliertes Zusammenspiel von Investor, AIFM und Verwahrstelle Das gegenseitige Zusammenspiel zwischen Investor und AIFM sowie Verwahrstelle wird im Rahmen der luxemburgischen Regulatorik erfolgreich praktiziert. Dies macht entsprechend regulierte Fondsvehikel insbesondere für institutionelle Investoren wie etwa Versicherungen, Pensionskassen oder Institute des öffentlichen Recht interessant, da sie sich selbst aufsichtsrechtlichen Anforderungen gegenüber sehen. Während unter anderem das Risiko- und Portfoliomanagement und die Bewertung der Vermögengegenstände die Aufgabe des AIFMs ist, nimmt die Verwahrstelle zum Schutze der Anleger die Verwahrung des Investmentvermögens sowie verschiedene Kontrollfunktionen wahr. Ihr obliegt es, die laufende Tätigkeit des AIFMs in Bezug auf die von ihr verwahrten Investmentvermögen zu begleiten. Unter anderem achtet die Verwahrstelle im Rahmen ihrer Funktion auf die Vereinbarkeit mit dem luxemburgischen und europäischen Kapitalanlagerecht. Ferner werden die vertraglichen Bedingungen des jeweiligen AIFs geprüft und der Bestand der Assets mitgeführt. Die Tätigkeit der Verwahrstelle hat sich als nachgelagerte Qualitätskontrolle bewährt und bietet im Ergebnis Anlegern eine erhöhte Sicherheit auf verschiedenen Ebenen. Standortvorteile begünstigten Wachstum der Assetklassen Aufgrund der dargelegten Standortvorteile haben sich alternative Investments in Luxemburg über diverse Assetklassen hinweg rasant entwickelt. Im Bereich Private Equity entscheiden sich immer mehr PE-Häuser für den Fondsstandort Luxemburg. Tatsächlich ist das verwaltete Vermögen von Private Equity- und Venture Capital-Fonds im Großherzogtum in den letzten Jahren stetig auf nunmehr über 100 Mrd. Euro angewachsen. Inzwischen gibt es dort in diesem Bereich über 600 Fondsstrukturen. Bereits 2018 waren 19 der Top 20 weltweit führenden PE-Häuser in Luxemburg aktiv, wie aus dem Preqin Global Private Equity & Venture Capital Report 2018 hervorgeht. Auch der Private Debt Markt boomt und befindet sich weiterhin auf Siegeszug. Gemäß den Zahlen von KPMG Luxemburg und ALFI wurde bereits Ende 2020 in diesem Segment ein Volumen von 108,4 Milliarden Euro im luxemburgischen Markt verwaltet. Aufgrund strengerer aufsichtsrechtlicher Vorschriften und Eigenkapitalanforderungen von Banken suchen Kreditnehmer vermehrt nach alternativen Finanzierungsquellen in Form von Debtfonds. Die gesamte Palette an Kreditfonds wie etwa Senior-, Mezzanine- und Wholeloan- bzw. Unitranchen werden zur Finanzierung von Immobilien, Unternehmen und Infrastruktur rege nachgefragt. Immobilien auf dem Vormarsch Auch Luxemburger Immobilienvehikel sind stark gesucht. Bereits Anfang des Jahres waren mehr als 320 Luxemburger Immobilienfonds mit einem Gesamtvolumen von etwa 90 Milliarden Euro auf dem Markt. Der Fondsstandort profitiert aber nicht nur von der guten Entwicklung der Immobilienmärkte, sondern auch von den zuvor dargestellten regulatorischen Rahmenbedingungen, die für ein Höchstmaß an Anlegerschutz und Transparenz sorgen. Im Ergebnis wird deutlich, dass das Großherzogtum in den letzten Jahren die richtigen Weichen für ein nachhaltiges Wachstum als internationaler Fondsstandort gestellt hat.