INTERVIEW


"Zwei Blickwinkel, ein Ziel"

Dr. Hilger von Livonius und Robert Guzialowski im Interview über das Zusammenspiel von Rechtsberatern und Verwahrstelle bei der Umsetzung von Investitionen in Real Assets Fonds.

1. Herr von Livonius, Herr Guzialowski, fangen wir ganz grundsätzlich an: Welche Aufgaben haben Sie jeweils innerhalb des Investmentprozesses?

von Livonius: Wir begleiten als anwaltlicher Berater im Bereich Real Assets tätige Kapitalverwaltungsgesellschaften (insbesondere mit Fokus auf Immobilien) bezüglich der Strukturierung und Umsetzung von Investitionen. Unsere Tätigkeit beginnt oft in einem recht frühen Stadium der Transaktion mit der Unterstützung bei der Suche nach einer für aufsichtsrechtliche und steuerliche Zwecke geeigneten Struktur und beinhaltet alle relevanten Schritte bis zum Closing der Transaktion. Gerade beim Erwerb von ausländischen Assets können hier eine Vielzahl von Themen zu adressieren sein.

Guzialowski: Unsere Aufgaben in der AIF-Verwahrstelle sind ebenfalls sehr breit gestreut. Als originäre Relationshipmanagement-Einheit sind wir für die Belange der Kunden aller Real Assets Fonds zuständig. Hierbei verantworten wir die Begleitung der Kapitalverwaltungsgesellschaften von der Aufnahme der Geschäftsbeziehung über das Onboarding bis hin zu den Fondstransaktionen (Erwerbe, Finanzierungen etc.). Anders als Herr von Livonius sind wir bei Transaktionen der AIF aber erst in einem sehr späten Stadium involviert, da unsere Aufgabe nicht in der Beratung, sondern in der aufsichtsrechtlichen Prüfung liegt. Dazu ist es erforderlich, dass alle investmentrechtlichen Belange mit der entsprechenden juristischen Kompetenz gewürdigt werden können.

2. Wo liegt die Schnittmenge in Ihrer gemeinsamen Arbeit?

Guzialowski: Zwar sind die Blickwinkel von einem Rechtsberater und einer Verwahrstelle sehr unterschiedlich, das Ziel ist jedoch dasselbe. Demnach ist wichtig, dass die Vermögensgegenstände in dem jeweiligen AIF nach den dafür vorgesehenen gesetzlichen und vertraglichen Bedingungen erworben und/oder finanziert werden können. von Livonius: Der Aussage von Herrn Guzialowski kann ich mich nur anschließen. Denn auch wir prüfen wie die Verwahrstelle, inwieweit die Transaktion unter aufsichtsrechtlichen Gesichtspunkten zulässig ist. Und bei indirekt gehaltenen Immobilien müssen wir beispielsweise dafür Sorge tragen, dass die nach dem KAGB geforderte Vereinbarung zur Sicherstellung der Rechte der Verwahrstelle abgeschlossen wird. Letztlich ziehen KVG und Verwahrstelle hier am gleichen Strang und verfolgen das gleiche Ziel: die Umsetzung der geplanten Transaktion in aufsichtsrechtlich konformer Art und Weise. 3. Ihre Arbeit erfordert sicherlich ein hohes Maß an gemeinsamer Abstimmung und Austausch. Wie finden diese bei Ihnen statt? von Livonius: Gerade mit Blick auf zeitliche Aspekte der Transaktion ist eine frühzeitige Einbindung der Verwahrstelle in den Transaktionsprozess in jedem Fall von Vorteil. Dies betrifft neben der Erwerbsstruktur insbesondere Fragen der Finanzierung und deren Besicherung, für die die Zustimmung der Verwahrstelle vom KAGB zwingend vorgesehen ist. Außerdem bringen neue Marktentwicklungen bisweilen Transaktionsstrukturen hervor, die nicht immer ganz einfach in das bestehende „Regulierungskorsett“ eingepasst werden können. Der direkte Austausch mit einer flexibel agierenden Verwahrstelle kann Prozesse erheblich beschleunigen und beispielsweise verhindern, dass kurz vor dem Signing noch Probleme identifiziert werden, die die Einhaltung des vorgesehenen Zeitplans gefährden. Guzialowski: Dem können wir nur zustimmen. Gerade bei komplexeren Strukturen zahlt es sich aus, wenn die Verwahrstelle frühzeitig zur Abstimmung eingebunden wird. In erster Linie hat man durch den rechtzeitigen gemeinsamen Austausch im Sinn, einen Dealbreaker kurz vor Signing zu vermeiden. Weitere Vorteile sind jedoch nicht von der Hand zu weisen: So profitiert die Verwahrstelle durch den Austausch mit dem Rechtsberater davon, dass ihr die Hintergründe bestimmter Strukturformen z. B. bei einem komplexeren Share Deal direkt vom Experten Nahe gebracht werden. Der Rechtsberater wiederrum findet als Gegenstück einen aufsichtsrechtlichen Experten, der unter anderem durch die Vielzahl der Prüfungen (mehrere Transaktionen an einem Tag) eine ganz andere Übersicht über das Marktgeschehen hat. 4. Spielt es also eine Rolle, dass in der Verwahrstelle vorwiegend Juristen arbeiten? von Livonius: Es hilft im Bereich Real Assets auf jeden Fall, wenn bei den auf Seiten der Verwahrstelle agierenden Personen vertiefte Kenntnisse der einschlägigen immobilien- und investmentrechtlichen Rahmenbedingungen vorhanden sind. Noch besser ist es natürlich, wenn diese rechtlichen Kenntnisse mit einem wirtschaftlichem Grundverständnis einhergehen, da dann am ehesten praxisorientierte und sachgerechte Lösungen gefunden werden, die auch im besten Interesse der betreuten Fonds (und ihrer Anleger) sind. Guzialowski: Zu ergänzen ist hier noch der zeitliche Aspekt. Wie bereits erwähnt, ist die Verwahrstelle nicht selten das letzte Glied in der Kette, das erst sehr kurz vor Erwerb bzw. Signing in die Prüfung einbezogen wird. Eine vorhandene juristische Expertise erleichtert die Prüfungen der nicht immer leicht verständlichen investmentrechtlichen Normen z. B. des KAGB. Dadurch können die Prüfungen schneller vollzogen werden, ohne dass der aufsichtsrechtliche Prüffokus aus den Augen verloren wird. 5. Besprechen Sie auch andere Themen abseits Ihres Kundengeschäfts? Livonius: Auf jeden Fall. Dies betrifft insbesondere allgemeine Marktwahrnehmungen und neue Rechtsentwicklungen. So wie die Verwahrstelle eine Vielzahl von Fallkonstellationen sieht, können wir auf das Transaktions-Knowhow verschiedenster Praxisgruppen im In- und Ausland zurückgreifen. Der gemeinsame Dialog ermöglicht es uns, praxisnahe Lösungen für häufig anzutreffende Problemstellungen zu erarbeiten und auf sich abzeichnende Rechtsentwicklungen frühzeitig zu reagieren. Guzialowski: Den Ausführungen von Herrn Livonius ist nichts hinzuzufügen – ich schätze unseren konstruktiven Austausch sehr und freue mich auf die weitere Zusammenarbeit.

Herzlichen Dank für das Gespräch

Über die Autoren: Dr. Hilger von Livonius ist Partner im Münchner Büro von K&L Gates und Mitglied der Praxisgruppen Investment Management und Bank- und Finanzrecht. Sein Fokus liegt dabei auf bank-, investment- und versicherungsaufsichtsrechtlichen Themen, insbesondere in den Bereichen Investmentfonds sowie Debt Capital Markets, strukturierte Finanzprodukte und Derivate.

Robert Guzialowski ist Rechtsanwalt und leitet den Bereich Real Assets Deutschland bei Hauck & Aufhäuser Privatbankiers AG. Neben Vertrieb und Kundenmanagement der AIF-Verwahrstelle begleitet er die KVGen von der Aufnahme der Geschäftsbeziehung über das Onboarding bis hin zu den Fonds-Transaktionen.

Dr. Hilger von Livonius

Partner

K&L Gates

Karlstraße 12

80333 München Telefon: +49 89 321 215 330 E-Mail: hilger.livonius@klgates.com Internet: www.klgates.com

Robert Guzialowski

Leiter Real Assets Deutschland

Hauck & Aufhäuser Privatbankiers AG

Kaiserstraße 24 60311 Frankfurt am Main Telefon: +49 69 2161-1617 E-Mail: Robert.Guzialowski@hauck-aufhaeuser.com Internet: www.hauck-aufhaeuser.com